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Bericht zum Ausflug unserer Schachjugend ins "Monte Mare"

Spielbericht 1. Mannschaft Runde 2

Spielbericht 2. Mannschaft Runde 3

VM Erwachsene Runde 11

Letzte Änderung: 14. November 2017, 22:26

29.Oktober - 5.November 2017, Bad Wiessee

 

 

 

Bei den Offenen Bayerischen Meisterschaften am Tegernsee erspielten Klaus K. und Klaus L. je 5,5 von 9 Punkten.

 

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Alles OIBM, oder was?

 

Klaus Kraich & ich besuchten die OIBM – die Offenen Internationalen Bayerischen Meisterschaften – in Tegernsee zum ersten Mal. Es war bereits die 21.Ausspielung, dieses Mal jedoch an einem neuen Ort, dem Gut Kaltenbrunn in Gmund, und mit neuem Organisationskomitée, an der Spitze GM Sebastian Siebrecht und Hauptschiedsrichter Ralph Alt. Großes Lob an dieser Stelle für das gesamte Organisationsteam.

Um es vorwegzunehmen: Das Turnier ist eine absolute Empfehlung. Es hat einen eigenen, besonderen, multikulturellen, internationalen Flair, der sich mit bayerischer Gemütlichkeit paart.

35 Nationen, ein ägyptischer Großmeister als Sieger. Eine chinesische, indische, russische Delegation. Dazu viele, hervorragende Portraitaufnahmen durch den Profifotografen vor Ort, der es verstand mit markanten Zoomobjektiv-Schnappschüssen manch charakteristische Wesenszüge aus den Schachspielern herauszufiltern.

Das Käfer’sche Hofgut, einem entkernten und renovierten Rinderstall mit Tenne, war der ideale Austragungsort für die knapp 500 Teilnehmer aus aller Herren Länder. In den Denkpausen schweifte der Blick zum „Scheunenfenster“ hinaus auf den weitläufigen Tegernsee und die dahinterliegende Horizontlinie der Alpen. Jenes Gewässer war zum Startwochenende noch sturmgepeitscht und aufgewühlt, so dass sich die Tauchvögel auf dem See im Wellensurfen übten. Beim Fotografieren der Gicht konnte sich KK die morgendliche Gesichtswäsche schenken.

Bei den mürrischen Temperaturen gingen wir zum Aufwärmen erstmal in die Seesauna. Dort kann man die Schachseele so richtig baumeln lassen und alle Aufregung über eigene Patzerzüge lindern. Zwischen den Aufgüssen probierte ich meine Kälteresistenz im 8° Grad eisigen Wasser aus, doch nur für Sekundenbruchteile und bis zum Hals, um danach schleunigst wieder in die Kelo-Blockhütte bei 82° mehr an Behaglichkeit zu flüchten.

Wir wissen nicht, was andere Schachspieler zwischen den Runden außer Vorbereitung, Pizza und Ausruhen getan haben. Unser Konzept lautete: Frischluftzufuhr, ein Rezept, das, wenn man das Endergebnis betrachtet, für uns offensichtlich aufging.

Die 4 ½ stündige Anfahrt, mit weiblichem Supplement (Miss Eußenheim & Miss Bautzen) im Gepäck, alles in einem von Koffern und Rucksäcken überquellenden Golf. Nach einem (mehreren) spontan gestellten Selfies und gemeinsamen Vorratseinkauf teilten wir uns auf die Ferienwohnungen hier im Finstertal und dort in Bad Wiessee auf. Klaus & Klaus waren dabei in ihrem Kurdomizil ein eingespieltes Duo, fast wie ein altes Ehepaar. Hochgradig effizient wurden alle Hausmanntätigkeiten arbeitsteilig ausgeführt. Im späteren Sauberkeits-Abnahme Contest schienen wir nach Sichtprobe gegenüber den Frauen um Längen gewonnen zu haben…

Unsere FeWo hatte den großen Vorteil der unmittelbaren Bus-, Pizza Rusticale und Raj Mahal Restaurant Anbindung. Letzteres brachte eine gewisse Schärfe in die häusliche Schachvorbereitung.

Die erste Männertour führte zur Tegernseer Hütte. Eine Hütte, die wie ein Vogelnest am Berg zu kleben scheint. Geduckt und angeschmiegt mit 360° Blick auf das Karwendel, Rofan, Wetterstein und Chiemgauer Alpen. Ab 1100 hm erwartete uns Schnee und Blankeis. KK hatte lediglich seine leichten Wanderschuhe mit, nennen wir sie mal „Badeschlappen 2.0“. Aufgrund dieser Einschränkungen konnten wir nicht den kürzeren Steig – sprich Direttissima – zum Mittagsziel auf 1650m nehmen, sondern mussten ganz um den Berg herum auf dem längeren Normalweg rumrobben. Das hatte tunlichst hochkonzentriert und bedächtig zu geschehen, zumal jede Leichtsinnigkeit sofort mit Bodenkontakt belohnt wurde. Eine kurze S(t)eilpassage war auch auf diesem Schneepfad zu meistern, aber nach ca. drei Stunden konnten wir endlich bei Weizen, Enzian, Eier mit Speck und Kaasspatzen eine ordentliche Mahlzeit genießen. Sonnenterasse pur. Blauer Himmel und eine urige Hütte. Meine Wette, keinen anderen Schachspieler oben anzutreffen hatte sich bestätigt. Da der Schleifer ordentlich Tempo machte, schafften wir es rechtzeitig zum Rundenstart zurück zu sein.

Schachlich lief es zu Beginn bei KK besser und er wurde dafür zweimal in die Katakomben (vom oben betrachtet war es für mich 8 Runden lang der Keller...) zu den Top 100 entsendet, wo er sich beim sympathischen IM Leon Mons und dem bulgarischen GM Nikolov Momchil eine Rückfahrkarte abholen durfte. Ich fristete derweil im Heuboden auf den hintersten Brettern gegen widerspenstige 1700er und taktisch versierte 1500er mein Dasein. Im Shvechnikov Sizilianer probierte ich mich im Halmaspiel, wobei sich möglichst viele Steine gegenseitig behinderten und auf die Füsse traten. Ein Remisangebot ablehnend, schenkte ich die Partie gleich ganz ab. Gegen den Ur-Bayern Josef Winkler ließ ich mir zeigen, wie man Bauern durch Springerabzüge los wird. Einmal in strategisch nachhaltigen Nachteil gekommen, kostete es eine gefühlte Ewigkeit, Engelsgeduld und Stamina um wie der letzte Ritter im Turnierparcour den wuchtigen Schlagpendeln der Remisbreite auszuweichen. Nur mit Ausdauer und einem späten Fehler meines Gegners konnte ich die Partie noch gewinnen und eine Trendwende herbeiführen.

Unsere zweite Wandertour führte uns zum Riederstein. Ein giftiger Anstieg über den Lerchenpfad führt über die auf einer aussichtsreichen Lichtung gelegene Gaststätte zu einem Kapellchen, das hoch oben von einem Felssporn grüßt. Zwischenzeitige Wegbezeichnungen wie "The Wall" machten ihrem Ruf durch Steilheit alle Ehre.

Mit frisch aufgetankter Batterie kamen am nächsten Morgen auch die guten Ergebnisse zurück. Die alltägliche Prozedur, wenn 400 der 500 Schachspieler (heiho) im Gänsemarsch die Holztreppe zum Heuboden erklimmen, nahm ich mit stoischer, ja fast japanischer U-Bahn Mentalität in Kauf. Am Brett wurden immer die gleichen Souvenirs drapiert: Kuli, Brille, Wasserflasche und Nervennüsse. Letztere scheinen bei immer mehr Schachspielern in Mode zu kommen…

Die dritte und letzte Wanderung führte Klaus&Klaus an die Nordseeküste  zur pittoresken Grindelalm. Dort wurden wir mit lupenreiner Fernsicht bis München belohnt --- und mit einem lehmig, schmierigen Abstieg bestraft. Der Badeschlappeneigentümer rutschte mehr als dass er ging, wobei er komisch anmutende Ausgleichsbewegungen mit seinen Armen vollführte, was mir wiederum nur ein hämisches Grinsen entlockte. Sollte er doch gescheite Bergschuhe mitnehmen… Wir waren ja schließlich nicht zum Schachspielen in den Bergen!!

Durch meinen Lauf durfte ich in der Abschlussrunde auch noch in den Keller zu den Schachschwergewichten. Gegen den FM aus Amsterdam hielt ich lange Stand und laut Engine hatte ich im Endspiel sogar noch eine Remisfortsetzung liegen lassen, aber an diesem Tag waren mir die Holländer einfach überlegen.

Großen Spaß bereitete es mir, die Großmeisterpartien zu verfolgen. Und auch an den restlichen Brettern gab es reichlich Höhepunkte und Tragödien. Erstaunlich, dass während des Turniers über 20.000 Partien gespielt wurden!

Damit schlossen Klaus und ich dieses Turnier insgesamt erfolgreich ab. Es war jedoch viel mehr als nur ein Turnier. Es war eher ein Schach-Berg-Lese-Genuss-Wellness Urlaub.

Und dies sei zur Nachahmung empfohlen.

KL

 

Fotoimpressionen:

 

 

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